10.09.08
The Other Boleyn Girl
R: Justin Chadwick
D: Scarlett Johansson, Natalie Portman, Eric Bana, Jim Sturgess
Musik: Paul Cantelon
Verleih: Universal
Film: 


Bild: 



Ton: 


Extras: –
Musik im Film: 


Frauengeschichten
Henry Tudor ist mit seiner Frau nicht gerade glücklich. Sie gebärt ihm keinen Thronfolger – und mit weiblichen Nachkommen will sich der Englische König nicht zufrieden geben. Nach geschicktem Einfädeln der Boleyn’schen Verwandtschaft, lernt er die junge Anne Boleyn kennen und urmschwärmt sie mit wenig königlichem Gehabe. Doch ein Jagdunfall, an dem Anne durch ihr unnachgiebiges Auftreten mitschuldig ist, vergrämt den Herrscher zu tiefst. Annes Schwester Mary wird nun auf den Plan gerufen und der Plan geht auf. Der König verliebt sich in sie und lässt sich sogar von seiner Frau scheiden, eine Ungeheurlichkeit, die zur Abspaltung mit der katholischen Kirche führt. Doch auch Mary kann Henry keinen männlichen Thronfolger schenken und so wird Anne nach ihrer Rückkehr aus Frankreich wieder nahe am König platziert…

Historisch hinfällig
Wer auf geschichtliche Genauigkeit aus ist, sollte um The Other Boleyn Girl einen Bogen machen. Trotzdem gewährt Justin Chadwicks Film einen interessanten Einblick in die Ränkespiel rund um den Thron des mächtigen Englands. Er entlarvt Henry VIII. als schwachen König, der zuallererst auf sexuelle Abenteuerchen aus ist und in blinder Liebe sogar den Bruch mit dem Papst in Kauf nimmt. Rückblickend hat das England allerdings sicher nicht geschadet. Der Film zeigt auch wie beeinflussbar Machthaber sind, wenn klares Denken ausgeschaltet wird. Auch heute ein durchaus aktuelles Thema.
Umgesetzt ist der Film durchaus gefällig, mit düsteren Bildern und schönen Licht-/Schattenspielen im Innern der Gebäude. Für Kostümfans ist The Other Boleyn Girl sowieso ein Genuss. Auf der Darstellerseite wissen vor allem die Damen zu gefallen – nebst ihrem durchaus anziehenden Äusserlichen spielen Natalie Portman und Scarlett Johansson die Boleyn Schwestern mit viel Hingabe und einen lustlosen, fehlbesetzten Eric Bana glatt an die Wand.
The Other Boleyn Girl ist insgesamt ein ganz netter Film, dem es aber an Tiefe und trotz des brisanten (und bekannten) Themas an Pfeffer fehlt, wie es etwa Elizabeth entwickeln konne. So wird Chadwicks Film wohl oder übel allzu schnell in Vergessenheit geraten.
Verpasst
Immer wenn die Möglichkeit besteht ein historisches Drama zu vertonen, erwartet man irgendwie etwas grosses, Melodien die ausschweifen und Noblesse verbreiten. Doch auch Paul Cantelon, ein mehr in der Klassik angesiedelter Musiker, packt die Chance nicht beim Schopf und liefert einen eher blassen Score ab. Zwar ist in seiner Musik Traurigkeit zu spüren, aber wie so oft bleibt es bei Stimmungen denn bei ausgefeilten Kompositionen. Teilweise wird man auch das Gefühl nicht los, Cantelon kreiere eine spannungsbetonte Atmosphäre, wo sie nicht unbedingt von Nöten ist. Irgendwie merkwürdig. Zu guter Letzt bleibt von der Musik kaum was haften. Wie erwähnt: eine verpasste Chance.
Die DVD
Zur DVD gibt es an sich nichts weiteres zu sagen, denn auf Bonusmaterial muss man gänzlich verzichten.
Philippe Blumenthal



: halber Bewertungspunkt