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DVD-Rezensionen


16.09.08

Iron Man

USA 2008
R: Jon Favreau
D: Robert Downey jr., Jeff Bridges, Gwyneth Paltrow, Terrence Howard
Musik: Ramin Djawadi

Verleih: Warner

Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkthalber Bewertungspunkt
Bild: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkt
Ton: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkthalber Bewertungspunkt
Extras: –

Musik im Film: Bewertungspunkthalber Bewertungspunkt

Eiserne Maske hochtechnologisiert
Tony Stark ist begnadeter Erfinder und Besitzer des grössten Waffenherstellers der Welt – im Namen des Friedens natürlich. Stark ist aber auch exzentrischer, nicht wirklich sonderlich beliebter Lebemann. Auf einer Vorführungstour seiner neusten Waffe, der Jerichorakete, gerät er in einen Hinterhalt von Freiheitskämpfern. Er wird entführt und vom Anführer gezwungen, die Jericho in ihrem Auftrag herzustellen. Doch anstatt der Bombe baut Stark einen eisernen Anzug, mit dem ihm die Flucht gelingt. Unter dem Einfluss seiner Gefangenschaft und der Tatsache, dass nicht nur die “Freundesseite” seine Waffen benutzt, beschliesst er aus dem Geschäft mit dem Tod auszusteigen, was wiederum seinem Kompagnon nicht gefällt. So nebenbei verfeinert Stark ausserdem seine eiserne Rüstung, auch um den Schergen in Afghanistan den Garaus zu machen.

Stark, der Stark!
Tony Stark alias Iron Man gehörte in meiner mit Comicheften reich ausgestatteten Jugendzeit zu meinen Lieblingshelden. Die Ankündigung der Verfilmung liess mich deshalb, trotz der Comicschwemme der letzten Jahren, aufhorchen. Ganz erfüllen konnte Regisseur John Favreau die Erwartungen allerdings nicht. Mir gefällt insbesondere die Sidestory mit Afghanistan nicht, die Favreau und seine Autoren fasst zum Hauptangelpunkt gemacht haben. Fast eine Hälfte des Films geht alleine dafür drauf, und das ist irgendwie dann doch zu langfädig gemacht. Andererseits ist es auch durchaus erwähnenswert, dass sich Iron Man nicht von Beginn weg in unendlichen Schnittfolgen und Höhepunkten übertreffen will. Absolut gelungen ist Robert Downey jr.‘s Charakterzeichnung vom Lebemann Stark, dessen späterer Zynismus der Schauspieler mit viel Humor und Agilität rüberbringt.

Jeff Bridges als kantiger, glatzköpfiger Geschäftspartner Obadiah Stone ist ebenfalls eine sehr gute Wahl und selbst Gwyneth Paltrow in der Nebenrolle als Starks Assistentin Pepper Potts (kein Scherz!) weiss ihre Rolle durchaus auszufüllen. Die Effekte sind teilweise atemberaubend gut und im Gegensatz zum grünen Riesen Hulk weniger “das sieht aber toll nach CGI aus”-mässig ausgefallen. Ein Mann in einer Goldtitanrüstung ist natürlich einfacher zu erstellen als ein Monstrum mit Gesichtzügen und Muskelspiel.

Iron Man hinterlässt etwas durchmischte Gefühle. Während des Films etwas langfädig, gewinnt er mit ein, zwei Tagen Abstand durchaus an Reiz. Die kurze Sequenz nach dem Titelspann (sitzen bleiben bzw. laufen lassen!) lässt übrigens keinen Zweifel über eine Fortsetzung aufkommen, auch wenn der Film bei uns etwas weniger gut gelaufen ist als in den Staaten.

Laut und emotionslos
Der Name des Komponisten, Ramin Djawadi, ist ein richtiger Tastaturbrecher. Schon nach zwei, drei Buchstaben weiss man nicht mehr wie das Ding geschrieben wird. Ding ist auch die treffende Bezeichnung für den Score des momentanen Hollywood-Hotshots. Thematisch bleibt nach dem Film gar nichts übrig und der Titelabspann mit der Heavy Metal “Iron Man” Musik von Black Sabbath lässt einen sowieso eher Abwinken als Zuhören. Djawadi beschreitet den Weg des identifikationslosen Bombastscores vehement, auch wenn er verlauten liess, dass die Launen des Tony Stark seinen Score beeinflusst hätten. Wie bloss? Wenn, dann versprüht Djawadi jedenfalls mit der deftig auf Rock basierten, mit elektrischen Gitarren und Drums angehäuften Musik, schlechte Laune. Ja, es gibt ein Orchester, aber das geht im Mix aus Toneffekten und der vom Regisseur geforderten Abkehr von bekannten Superheldenidiomen (die zuletzt eh kaum ein Komponist mehr benützte) fast völlig unter. Und wenn man mal ein Fitzelchen zu hören bekommt, ist das tatsächlich vergessenwert…

Die DVD
Gross prangt auf dem Cover “Original Deutsche Kinofassung”, was dann so viel heisst, das wir uns hier mit der um 4 Minuten gekürzten Deutschen Kinofassung herumschlagen müssen. Danke Concord…
Wer damit wenig Freude hat, muss auf eine sicher kommende Special Edition warten oder die Bluray-Version kaufen. So ist es auch beim Bonusmaterial, denn hier sind keine Extras enthalten.

Philippe Blumenthal