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DVD-Rezensionen


6.11.08

DVD Tipps November (Teil 2)

Gerade mehren sich die DVD Veröffentlichungen und man kommt mit Schauen kaum nach, geschweige denn mit Besprechen. Zusammengefasst und in mehrere Teile gesplittet nun also ein paar aktuelle Veröffentlichungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:

Citizen Kane
R: Orson Wells, D: Orson Wells, Joseph Cotton, Ruth Warrick
Musik: Bernard Herrmann
Arthaus Collection: Klassiker
Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkt
Extras: Bewertungspunkt
Musik im Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkthalber Bewertungspunkt
Einer der ganz grossen Filme der Filmgeschichte: Citizen Kane beim Filmstart ziemlich missachtet und bei der Verleihung der Oscars ausgebuht, erfuhr dem Film über die Jahre mehr und mehr Zusprache. Heute ist dieser Filmgigant, der in subjektiven Rückblicken das Leben des Zeitungsmaganten Charles Foster Kane erzählt, ein Meisterwerk. Darum kommt kein Filmfan herum, denn Wells’ Arbeitsweisen waren ihrer Zeit weit voraus. Ein grossartiges Werk, kraftvoll und bedeutend. Bernard Herrmanns so “un“herrmansche Musik muss sich zwischen einen Weg zwischen Dramatik und Slapstick bahnen, nicht ganz leicht und deshlb etwa wirr im Ganzen, auf hohem Niveau natürlich. Aber Citizen Kane ist sicher nicht der beste Score von Bernard Herrmann.

Glengary Glen Ross
R: James Foley D: Jack Lemmon, Al Pacino, Alec Baldwin, Ed Harris
Musik: James Newton Howard
Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkt
Extras: – Musik im Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkt
Zum ersten Mal ist jetzt eine optisch gelungene Version von Glengarry Glen Ross auf DVD erschienen, denn die bisherigen Scheiben waren visuell einfach nur grausam. Glengarry Glen Ross ist ein Kammerspiel aus der Feder von David Mamet über Vertreter, die ganz unterschiedlich mit dem Druck, der ihnen vom Arbeitgeber gemacht wird, umgehen. Einige zerbrechen daran, andere können sich steigern. Jeder reagiert anders. James Foley inszeniert die starke Schauspielerriege bewusst beobachtend, so entstehen starke, knisternde Momente. Ein sehr empfehlenswerter Film, wem etwas an tollen Darstellern und Dialogspielen liegt.
James Newton Howard spielt hier klar die zweite Geige. Sein jazziger Score gibt eigentlich nur Farbkleckse wieder und nicht die Rolle einer dramaturgischen Filmmusik per se.

Truman
R: Frank Pierson, D: Gary Sinise, Diana Scarwid, Richard Dysart.
Musik: David Mansfield
Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkt
Extras: – Musik im Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkt
Truman ist ein Film des US-Senders HBO, der immer wieder hervorragende TV-Produktionen hervorbringt. Hier zeigt Regisseur Frank Pierson das Leben des späteren Präsidenten seit Beginn des 1. Weltkriegs, seine erste und einzige grosse Liebe, den Aufstieg vom Farmer zum Gouvernour und schliesslich zum Vizepräsidenten unter Theodore Roosevelt. Harry S. Truman übernahm das Amt nach Roosevelts Tod und er war es auch, der den Befehl gab die Atombomben über Japan abzuwerfen. Aber Truman war auch ein Präsident, der sich für den kleinen Mann, den Arbeiter vehemment einsetzte.
Gary Sinise spielt seit einiger Zeit vermehrt im Fernsehen (irgendein CSI-Ableger…), hier gibt er wieder mal eine starke Hauptrolle als Präsident Truman. Er sieht aus wie Truman, lacht wie Truman und er ist der einfache Mensch Truman. Interessante Präsidenten-Bio, aber halt doch eher Nixon light.

Wise Blood
R: John Huston, D: Brad Dourif, Harry Dean Stanton, Amy Wright
Musik: Alex North
Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkt
Extras: – Musik im Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkthalber Bewertungspunkt
Wise Blood ist eine Verfilmung basierend auf der Novelle von Flannery O’Connor. 1980, als John Huston bereits 74 Jahre alt war, entstand dieser bizarr anmutende Film über einen vom Krieg heimkehrenden, nicht sonderlich belesenen und mit der neuen Zeit nicht zurecht kommenden Soldaten. Brad Dourif spielt diesen merkwürdigen Charakter, der nun als Prediger seine neu gegründeten “Kirche Jesus Christus ohne Christus” tätig sein will. Dabei gerät er an die unmöglichsten Leute und in Situationen, mit denen er kaum zurecht kommt.
Eine wirr anmutene Heimatkomödie von John Huston, sicher nicht sein bestes Werk, aber mit skurrilen Charakten und absurden Geschehnissen gespickt.
Alex North, Hustons Stammkomponist, mischt seine auf Folk und Country basierende Musik mit dem populären Stück “Tennessee Waltz” und erzeugt einen Score mit viel Charme und Witz. Hübsch!

David Cronenbers Cult-Classic-Box
R: David Cronenberg, D: Paul Hampton, Joe Silver, Patricia Cage
Musik: Konserve
Film: BewertungspunktBewertungspunktBewertungspunkt / BewertungspunktBewertungspunkt
Extras: BewertungspunktBewertungspunkt
Musik im Film: BewertungspunktBewertungspunkt
Die “David Cronenbergs Cult-Classic-Box” enthält zwei Frühwerke des kanadischen Exzentrikers: Shivers *und *Rabid. Entstanden vor seinen wirklichen Kultklassikern wie Scanners und Videodrome mit unbekanntem Cast und der ein oder anderen Crew-Lehrstunde, waren mir beide Filme bis anhin völlig unbekannt. Shivers, in dem Menschen von einem “Sex-Virus” befallen werden und diesen mit “Austausch von Körperflüssigkeiten” wie Zombies weiterreichen wollen, ist der Gelungenere der beiden Streifen. Dass beide Filme in den 70ern in Kanada recht umstritten waren, ist abzusehen – Cronenbergs makabre Geschichten treffen eben nicht jedermanns Geschmack.
Howard Shore Fans sei gesagt, dass beide Film vor der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Cronenberg entstanden sind. Ivan Reitman, Regisseur von Filmen wie Ghostbusters, amtete als sogenannter Music Supervisor, die Scores wurden aus bestehenden Filmmusikkonserven zusammengestellt.

Philippe Blumenthal