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Komponisten stellen sich vor: Vincent Ott

Hi, ich bin Vincent, 24 Jahre alt und komme aus Wiesbaden.
Seit einem Jahr arbeite ich als Filmmusikkomponist in England. Wie es dazu kam?
Hier ist meine Geschichte:
Ich wurde 1996 in Frankfurt geboren und bin in Wiesbaden aufgewachsen. Seit meinem 5. Lebensjahr besuchte ich die Wiesbadener Musik- & Kunstschule mit Unterricht in Klavier, Chor, später Schlagzeug und Percussion. Die Musikschule wurde mehr und mehr zu meinem zweiten Zuhause. Meine Lehrer haben mich damals bereits zu Eigenkompositionen motiviert und unterstützt. Ich schrieb zunehmend eigene Songs, die ich später mit meinen verschiedenen Schülerbands performte.
Eine völlig neue Perspektive eröffnete mir die Video-AG an meiner Schule. Hier konnte ich erste Erfahrungen mit der Komposition und Produktion von Musik für verschiedene Kurzfilm- und Musikvideo-Projekte sammeln („learning by doing“, im Kellerstudio zu Hause). Das faszinierte mich mindestens genauso wie die Performance mit der Band und öffnete mir die erste Tür zur Filmkomposition einen Spalt.

Erster Erfolg bei „Dein Song“

Meine Kompositionen habe ich bei verschiedenen Wettbewerben eingereicht. Mein größter Teenie-Erfolg war damals, dass mein Song Shades and Shadows im Finale der ZDF-Produktion „Dein Song“ von Cassandra Steen gesungen wurde. Am Ende meiner Schulzeit war mir völlig klar, dass ich beruflich „irgendwas mit Musik“ machen wollte.

Musikstudium in London

Nach dem Abi zog ich im Herbst 2014 nach England, studierte an der City University London Musik mit Hauptfach Klavier und belegte Module in den Fächern Filmmusik und Studio- und Tonaufnahmetechnik. Zu dieser Zeit entwickelte sich neben meinem Interesse an elektronischer und abstrakter Komposition auch meine große Leidenschaft für südamerikanische Musik, insbesondere für Samba. Über viele Jahre war ich festes Mitglied der Percussion Band „Rhythms of the City“ mit vielen, auch internationalen Auftritten, so zum Beispiel in Schottland und Deutschland. Das Repertoire dieser Band umfasst diverse lateinamerikanische Musikstile, die meinen Kompositionsstil nachhaltig prägten.

Intermezzo in Hollywood!

Bereits im Sommer 2015 war mir klar, dass mein Studium zum „Bachelor of Music“ einen zusätzlichen Spin zur Filmkomposition brauchte. Ich packte also meine Koffer und zog für drei Monate nach Los Angeles – wohin denn sonst? Da will doch schließlich jeder angehende Filmmusikkomponist hin!
Als „Intern“ (Praktikant) bei Ian Honeyman in Santa Monica assistierte ich bei größeren Scoring-Projekten in professioneller Umgebung. Nebenbei betrieb ich intensives „Networking“. So traf ich beispielsweise den Regisseur Drew Stewart und erhielt den Auftrag, seinen Indie-Feature-Film The Brazilian Connection zu vertonen. Da große Teile des Films in Brasilien spielen, konnte ich meine langjährige Erfahrung mit der südamerikanischen Musik, insbesondere dem Samba, in den Score einfließen lassen. Ich kombinierte den Swing und Klang von Caixas, Surdos und Chocalhos mit verzerrten Gitarren- und Synthesizerklängen, um die dunkle Stimmung des brasilianischen Filmdramas zu untermalen. In L.A. legte ich auch den Grundstein für Kompositionen für Library Music, wie wichtig dies war, sollte ich später erfahren.

Auszeichnung für Filmkomposition im Masterstudiengang

Zurück in England schloss ich 2017 mein Studium mit dem Bachelor of Music ab und wechselte an das Royal College of Music (RCM) in London, an dem ich mein Masterstudium in ‚Composition for Screen’ absolvierte. In altehrwürdigen „Harry-Potter-artigen“ Gebäuden unterrichtete man am RCM eher mit klassischer Orientierung, sodass ich nun begann, immer mehr Musik für große Orchester zu schreiben, die ich dann mit Musikstudenten im Tonstudio des RCM aufnahm. So entstanden in dieser Zeit vorwiegend traditionelle orchestrale Filmmusiken, dennoch ließ ich weiterhin meine Leidenschaft für brasilianische und zeitgenössische Klänge in meine Stücke einfließen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Masterstudiengangs war die Vertonung von Kurzfilmen, die Filmstudenten benachbarter Universitäten produziert hatten. Häufig handelte es sich dabei um Zeichentrick- und Animationsfilme, bei deren Bearbeitung ich die in diesem Filmgenre erforderlichen Techniken erlernte und in Folge erfreulicherweise auch bei einem der Filmfestivals den Preis für die beste Filmkomposition erhielt.

Komposition für die US-Gameshow „Master Minds“

Seit meiner Zeit in L.A. schreiben und produzieren Ian Honeyman und ich gemeinsam über den großen Teich hinweg für Music Library Alben und verschiedene Gameshows. Gerade kürzlich war unsere Komposition für die Gameshow Master Minds US-weit zu hören. Auch in London habe ich neben meinem Studium immer real-life an professionellen Produktionen gearbeitet, so z. B. bei dem Komponisten Ilan Eshkeri und dem Musikproduzenten Steve McLaughlin. Tatsächlich mitzuerleben wie Ilans Soundtracks für die TV-Serie Riviera und seine Scores für Ghost of Tsushima und The Sims entstanden, erweiterte meinen „akademischen Uni-Horizont“ ungemein.

Masterabschluss am Royal College of Music

Seit meinem Masterabschluss am Royal College of Music in 2019 arbeite ich mit den Filmmusikkomponisten Sunna Wehrmeijer und Peter Bateman. Sunna und Peter waren kurz zuvor aus Los Angeles nach Salisbury gezogen und stellten mich in ihrem neuen Studio ein. Hier komponiere ich z. B. für die Netflix-Serien Spirit Riding Free, She-Ra and the Princess of Power und Scooby-Doo and Guess Who?.
So, hier bin ich nun. Aber wie geht es weiter?
Wer weiß das schon, aber ich hätte große Lust nochmal in Richtung L.A. loszuziehen, wenn sich der Nebel um Covid-19 etwas gelichtet hat.

Vincent Ott Webseite
Vincent Ott Soundcloud